Die Grablegung


Nach den einführenden Bemerkungen zur Gestaltung des Grabes nun einige detaillierte Informationen zur eigentlichen Bestattung:
Man legt den Verstorbenen auf die nach Mekka weisende Seite neben das Grab. Von dort aus wird der Verstorbene ins Grab gehoben. Der Verstorbene wird mit den Füßen voran herabgesenkt, bis seine Füße die Totengrube erreicht haben. Dabei spricht man die Worte „Bismillah ve alâ Milleti Resûlillah“. Nachdem der Verstorbene auf seine rechte Seite in die Totengrube gelegt worden ist, werden die Bänder seines Totengewandes gelöst. Dann wird das Dach über dem Verstorbenen errichtet. Nach dessen Fertigstellung beginnen die Außenstehenden mit Hilfe der Personen im Grab, die Grabstätte vorsichtig mit der ausgehobenen Erde zu verfüllen. Dabei wird es als unstatthaft angesehen, das Grab neben der ausgeschachteten mit weiterer Erde aufzufüllen. Es gilt als gute Tat, wenn die am Grab stehenden je drei Schaufeln Erde auf das Grab werfen. In besonders feuchten oder sandigen Gebieten ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Verstorbene im Sarg bestattet wird.
Bei der Bestattung von Frauen ist es schicklicher, wenn die Grablegung von den nächsten Angehörigen vollbracht wird. Sind keine nahen Verwandten anwesend, kann diese auch von Fremden ausgeführt werden. Auch wenn es als zulässig betrachtet wird, in der Nacht zu bestatten, ist es besser, Bestattungen am Tage zu vollziehen. Eigentlich ist es gute Sitte, einen Menschen an seinem Sterbeort zu beerdigen. Jedoch ist bei einer Überführung in einem geruchsdichten Sarg auch nichts gegen eine Bestattung in einem anderen Land einzuwenden. Die Erde wird über dem Grab ein zwei Handbreit angehäufelt, rechteckige Einfassungen der Gräber sind jedoch zu unterlassen. Es ist statthaft, Name und Datum auf dem Grabstein zu vermerken, damit das Grab nicht mit der Zeit unkenntlich wird. In Situationen, in denen es aus Zeit- oder Platzgründen unabwendbar erscheint, kann man mehrere Verstorbene im gleichen Grab nebeneinander bestatten.
Dabei sind die Totengruben mit Erdwällen voneinander zu abzutrennen. Gegen Umbettungen ist nichts einzuwenden, wenn diese z.B. aufgrund von Kanal- oder Straßenbauarbeiten erzwungen sind. In Fällen, in denen eine Grablegung nicht der Überlieferung gemäß erfolgt ist, bei denen der Verstorbene zum Beispiel mit dem Kopf am Fußende oder auf seiner linken Körperseite liegend bestattet worden ist, ist eine Graböffnung und Umbettung zum Zwecke der Korrektur jedoch nicht gestattet.
Es ist ein guter Brauch, nach Abschluss der Bestattung am Kopfende des Grabes aus dem Koran zu rezitieren und für den Verstorbenen zu beten. Und es ist statthaft, nach der Verwesung eines Verstorbenen an gleicher Stelle jemand anderen zu beerdigen.
Es ist verboten, sich auf Gräbern niederzusetzen, darauf zu schlafen, sie zu beschädigen oder gar seine Notdurft darauf zu verrichten.
Das Totengebet sollte nicht allein aus dem Grund auf einen Zeitpunkt nach dem Freitagsgebet verschoben werden, dass möglichst viele Gemeindeglieder an ihm teilnehmen. Eine Verschiebung hinter das Freitagsgebet ist jedoch statthaft, wenn Mitglieder der Trauergemeinde befürchten, dass sie das Freitagsgebet wegen der Beerdigung versäumen könnten.
Wenn der Verstorbene in einen Sarg gebettet worden ist, wird dieser von vier Personen, die ihn jeweils auf einer Seite anfassen, getragen. Das Tragen eines Sarges gilt als Gottesdienst. Dem Sarg eines Gläubigen zu folgen, der aufgrund seiner Güte bekannt war, ist eine frommere Handlung als jede andere freiwillige oder rituell vorgeschriebenen gute Tat. Nichts einzuwenden gibt es gegen den Transport eines Sarges auf einem Fahrzeug, dennoch ist es besser, wenn dieser getragen wird. Es ziemt sich eher hinter als vor dem Sarg herzulaufen. Und es schickt sich nicht, im Gefolge des Sarges lautes Wehklagen anzustimmen, aus Verzweiflung zu kreischen oder Kerzen und Fackeln anzuzünden. Seinen Tränen still freien Lauf zu lassen, ist durchaus statthaft. Weder redet man im Gefolge eines Sarges ohne Grund, noch rezitiert man laut religiöse Formeln oder den Koran, sondern man übt sich in Besinnung über den Tod und das Jenseits.